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8 Tipps, um die Kommunikation im Team zu verbessern

10 Min. Lesezeit

👉 Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

  • Die Qualität der Teamkommunikation beeinflusst direkt die Leistungsfähigkeit und die Arbeitszufriedenheit innerhalb des Teams.
  • Eine klare Definition und regelmäßige Überprüfung von Zielen durch OKR fördern die Ausrichtung und Motivation des Teams.
  • Die Vorbildfunktion von Führungskräften und eine Kultur des offenen Feedbacks sind essenziell für eine gesunde Teamdynamik.
  • Digitale Tools und Plattformen können die Transparenz und das Engagement bei der Arbeit mit OKR unterstützen und erleichtern.

Warum die Kommunikation im Team verbessern? Eine effektive Kommunikation ist ein zentraler Pfeiler für den Erfolg eines Teams. Die Herausforderung der Kommunikation, verstärkt durch die Umstellung auf Home-Office während der Corona-Pandemie, bleibt für viele Teams bestehen. Der folgende Artikel bietet praktische Ansätze, um die Teamkommunikation zu stärken und zu fördern.

Nur weil mehrere Personen an einem gemeinsamen Projekt oder innerhalb eines Unternehmens arbeiten, bilden sie noch kein echtes Team. Der Unterschied zwischen einer bloßen Arbeitsgruppe und einem synchronisierten Team zeigt sich deutlich in deren Arbeits- und Kommunikationsstil. Effektive Teams erkennen den Wert ihrer Diversität und sehen sie als Stärke, nicht als Hindernis. Insbesondere im Kontext agiler Methoden liegt der Schwerpunkt auf Kollaboration und Teamfähigkeit. Agile Teams arbeiten eigenverantwortlich, was ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und effektiver Zusammenarbeit voraussetzt. Eine essenzielle Komponente für das reibungslose Funktionieren eines Teams ist eine offene Kommunikation, bei der sowohl konstruktives Feedback als auch Anerkennung und Lob ihren Platz finden.

Teamkommunikation in unterschiedlichen Teamkulturen

In der Arbeitswelt, ähnlich wie im Privatleben, variiert die Kommunikation von Person zu Person. Wie Menschen miteinander interagieren und sich verhalten, hängt oft von ihrer Beziehung zueinander ab, wird aber auch von individuellen Charaktereigenschaften beeinflusst. Innerhalb von Teams kann es zu verschiedenen Dynamiken kommen, die entweder die Effizienz und Produktivität steigern oder hemmen können. Um die Teamkommunikation effektiv zu verbessern, ist es entscheidend, zunächst die verschiedenen Teamtypen und deren Kulturen zu verstehen.

Verschiedene Arten von Teamkulturen

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick erkennt vier verschiedene Dimensionen von Teamkulturen.

Die 4 Dimensionen von Teamkultur von Paul Watzlawick (1969)

  • Zweckgemeinschaft: Ein Team, das hauptsächlich aus pragmatischen Gründen zusammenarbeitet.
  • Spitzenteam: Eine Gruppe, die hohe Leistung und Effizienz anstrebt.
  • Kuschelteam: Ein Team, in dem das Wohlbefinden und die Harmonie unter den Mitgliedern im Vordergrund stehen.
  • Underachiever Team: Eine Gruppe, die ihr volles Potenzial nicht ausschöpft.

Die folgende Grafik veranschaulicht diese vier Dimensionen von Teamkulturen nach Watzlawick.

Teamkultur Pauk Watzlawick

Paul Watzlawick hebt die Bedeutung der Synergie zwischen Beziehungs- und Sachorientierung hervor. Er postuliert, dass die Entstehung eines Spitzenteams möglich ist, wenn beide Aspekte stark ausgeprägt und ausgewogen sind.

Ein Schlüsselelement, das sowohl in der Sach- als auch in der Beziehungsorientierung eine Rolle spielt, ist die Art und Weise, wie Teammitglieder miteinander kommunizieren. Die Kommunikation beeinflusst nicht nur die zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch die Qualität der gemeinsamen Arbeit.

In einem seiner fünf Kommunikationsaxiome vertritt Watzlawick die Ansicht: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Dies bedeutet, dass Kommunikation immer stattfindet, selbst in Form von Nicht-Kommunikation. Zum Beispiel, wenn eine Person schweigend in einem Raum steht und auf den Boden blickt, sendet sie damit eine Botschaft an ihre Umgebung – möglicherweise die, dass sie gerade nicht kommunizieren möchte. Dies mag paradox erscheinen, veranschaulicht aber Watzlawicks Auffassung von der Allgegenwärtigkeit der Kommunikation.

Um die Beziehungs- und Sachebene innerhalb eines Teams zu stärken und ein Gleichgewicht zu finden, sollten Teammitglieder verschiedene Strategien anwenden. Regelmäßige Reflexionen innerhalb des Teams helfen, Konflikte zu vermeiden und die Teamdynamik positiv zu beeinflussen.

Grundlagen der Kommunikation: Modelle und Theorien

Bevor wir uns den Tipps widmen, um die Kommunikation im Team zu verbessern, sehen wir uns erst mal die Kommunikation an sich etwas genauer an.

Das Eisbergmodell nach Freud

Eines der prominentesten Modelle in der Kommunikationstheorie ist das Eisbergmodell, entwickelt vom renommierten Psychoanalytiker Sigmund Freud. Dieses Modell postuliert, dass der größte Teil der menschlichen Kommunikation unterhalb der bewussten Wahrnehmungsebene stattfindet. Ähnlich wie bei einem Eisberg, von dem nur etwa 20% über der Wasseroberfläche sichtbar sind, geschieht der Großteil der Kommunikation unbewusst oder vorbewusst. Diese Tatsache macht die Kommunikation zwischen Menschen oft komplex und anfällig für Missverständnisse.

5 Axiome von Watzlawick

Die fünf Axiome von Paul Watzlawick sind ebenfalls fundamental für das Verständnis moderner Kommunikationsprozesse. Diese Axiome bieten wertvolle Einsichten in die Dynamik der zwischenmenschlichen Kommunikation und haben einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Kommunikationswissenschaft gehabt. Jedes Axiom beleuchtet unterschiedliche Aspekte der Kommunikation, von der Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren, bis hin zu den Auswirkungen der Beziehungsstruktur auf die Kommunikation.

Die 5 Axiome von Paul Watzlawick:

  • Unmöglichkeit, Nicht zu kommunizieren: Jedes Verhalten ist eine Form der Kommunikation.
  • Inhalts- und Beziehungsaspekt: Jede Nachricht enthält sowohl eine sachliche Information als auch Hinweise auf die Beziehung zwischen den Kommunizierenden.
  • Wechselseitigkeit: Kommunikation ist immer ein wechselseitiger Prozess, bei dem Ursache und Wirkung oft nicht klar trennbar sind.
  • Analoge und Digitale Modalitäten: Kommunikation erfolgt sowohl über sprachliche (digitale) als auch über nonverbale (analoge) Signale.
  • Symmetrie und Komplementarität: Kommunikationsbeziehungen können entweder gleichberechtigt (symmetrisch) oder hierarchisch (komplementär) sein.

4-Ohren Modell nach Schulz von Thun

Der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun besagt in seiner Theorie, dass Menschen auf vier Ebenen, bzw vier Ohren Kommunizieren. Diese sind:

  • Der Sachaspekt: Worüber spricht jemand?
  • Die Selbstaussage: Was offenbart jemand über sich?
  • Der Beziehungsaspekt: Wie steht jemand zu mir?
  • Der Appell: Was will jemand von mir?

Das 4-Ohren-Modell unterstreicht, wie eine einzige Aussage aufgrund unterschiedlicher Wahrnehmungen der Empfänger verschieden interpretiert werden kann.

Verbesserung der Teamkommunikation: Ein Schlüssel zum Erfolg

Kommunikation wird als einer der entscheidenden Faktoren erkannt, der ein gewöhnliches Team in ein Spitzenteam verwandeln kann. Eine effektive Kommunikation innerhalb eines Teams führt nicht nur zu einer höheren Zufriedenheit aller Beteiligten, sondern spiegelt sich auch positiv im Output und in der Produktivität wider.
Durch ein Verständnis der oben erwähnten Kommunikationsmodelle können viele Missverständnisse vermieden oder im Nachhinein aufgeklärt werden. Darüber hinaus ist eine offene und konstruktive Gesprächskultur von zentraler Bedeutung. Jedes Teammitglied hat die Möglichkeit und auch die Verantwortung, an der Verbesserung des gemeinschaftlichen Miteinanders zu arbeiten, um die Teamarbeit effektiver und angenehmer zu gestalten.

8 Tipps, um die Kommunikation im Team zu verbessern

  • Regelmäßige Reflexion der Zusammenarbeit

Durch regelmäßige Reflexion lassen sich kontinuierlich Hindernisse und mögliche Dispute frühzeitig aufzeigen und besprechen. In Scrum Projekten nennt sich diese Reflexion Retrospektive. Sie findet am Ende jeder Iteration statt und ermöglicht es den Teammitgliedern, spielerisch zu erläutern, was in der Zusammenarbeit gut lief und was nicht. So kann das Scrum Team Lehren aus der letzten Iteration ziehen und sich für die kommende wappnen.

Eine beliebte Übung dabei ist beispielsweise „Liked, Learned, Lacked“ bei dem die Teammitglieder auf Post-Its schreiben, was sie in der vergangenen Iteration (Sprint) mochten, gelernt haben und was für sie zu wenig Beachtung bekommen hat. Die Retrospektive wird von einem Teammitglied organisiert (bei Scrum vom Scrum Master) und ist obligatorisch für alle im Team.

  • Regelmäßige Reflexion der Produktentwicklung

Ähnlich wie bei Punkt 1 geht es bei diesem Punkt um Reflexion. Diesmal aber in Bezug auf die Produktentwicklung, bzw die Arbeit selbst. In SCRUM Projekten wäre dieses „Event“ die Sprint Review. Hier wird – oft gemeinsam mit Kunden oder Auftraggebern – der Fortschritt der vergangenen Iteration besprochen. Zusammen zu reflektieren ist für ein Team eine der wohl wichtigsten Tätigkeiten, um effizient miteinander zu arbeiten und zu kommunizieren.

Niemand darf verurteilt werden, wenn er oder sie die Wahrheit sagt, Gefühle äußert oder auch Kritik ausspricht. Gespräche müssen auf Augenhöhe geschehen und alle Beteiligten müssen ernstgenommen werden.

Warum Scrum deinem Team gut tun wird? Hier sind 6 Gründe dafür!

  • Die richtigen Werte im Team leben

Im Team muss jedes Mitglied die Möglichkeit haben und sich trauen, ehrlich zu sein und womöglich auch Kritik zu äußern. Um den „safe space“ zu schaffen, der genau das ermöglicht, müssen gewisse Werte im Team vorherrschen. Hier lässt sich ganz einfach auf die 5 Werte von Scrum zurückgreifen. Bei einem Projekt, das mit Scrum gemanagt wird, gibt es 5 Werte, die im Team gelebt werden müssen: Respekt, Offenheit, Mut, Commitment, Fokus. Vor allem die Werte Respekt, Offenheit und Mut sorgen für ein angenehmes Miteinander in dem Teammitglieder alle Themen ansprechen dürfen und möchten.

Außerdem ist es wichtig, dass alle im Team Wert auf ein gutes Miteinander legen und sich dafür auch etwas ins Zeug legen. Denn nur wenn Teamwork im Sinne aller ist, kann auch gut funktionieren.

1.Transparenz schaffen

In Teams, die transparent arbeiten und miteinander umgehen entstehen meist nur schwer Missverständnisse. Ohne sich dabei kontrolliert zu fühlen, sollte es den Teammitgliedern möglich sein, zu wissen woran die anderen gerade arbeiten. Dadurch wird auch die Zusammenarbeit einfacher, wenn einzelne Schritte voneinander abhängig sind.

2. Vertrauen und fairen Umgang schaffen

Eine der wichtigsten Charakteristiken einer guten Zusammenarbeit ist gegenseitiges Vertrauen. Wer darauf vertrauen kann, dass seine Kolleginnen und Kollegen ihre Aufgaben erledigen, im Sinne des Teams agieren und füreinander einstehen, fühlt sich wohl und arbeitet dementsprechend gerne und gut in diesem Team. Um Vertrauen zu generieren sind hier klassische Teambuilding-Events oder Workshops von Vorteil. Die Teammitglieder können sich besser kennenlernen, womöglich Freundschaften aufbauen und das Vertrauen untereinander stärken.

3. Geklärte Verantwortlichkeiten

Wenn im Team Klarheit über Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten und Aufgabenverteilung herrscht werden Missverständnisse seltener. Teammitglieder wissen, an wen sie sich wenden müssen, wenn sie Fragen haben oder die Fortsetzung ihrer Arbeit von einer Kollegin oder einem Kollegen abhängig ist. Dadurch werden Kommunikationswege kürzer und effizienter. Die Teammitglieder können selbstorganisierter arbeiten und der Workflow ist im Gang.

4. Kritik und Lob äußern

Vielen Menschen ist es unangenehm, Kritik zu äußern. Doch Gleiches gilt für das Gegenteil: Einigen Menschen fällt es auch schwer, andere zu loben. Vor allem in Zeiten, in denen grundsätzlich mehr Augenmerk auf Fehler als auf Erfolge gelegt wird. Doch sowohl (konstruktive) Kritik, als auch ehrliches Lob sind essenziell in einer harmonischen Zusammenarbeit. Um sich weiterentwicklen zu können, aber auch um eigene Fehler überhaupt zu erkennen ist Feedback von außen unglaublich wichtig. Sobald im Team Vertrauen und das richtige Mindset herrscht, sollte konstruktive Kritik auch kein Problem für das Gegenübersein.

5. Ich-Botschaften senden

Viele Kommunikationstheorien legen immer wieder Wert auf die sogenannten Ich-Botschaften. Dabei geht es darum, seinen Gesprächspartnern gewisse Sachverhalte nicht einfach „vorzuwerfen“, sondern sein eigenes Gefühl bei der Thematik zu äußern. Das bedeutet, anstatt zu sagen „Du solltest das besser so machen“ sagt man „Ich glaube, dass XY eine bessere Lösung sein könnte“. Hier vermeidet man den Besserwisser-Effekt und „bevormundet“ die andere Person nicht. Man bietet schlichtweg einen anderen Lösungsweg an. Typische und hilfreiche Anfänge von Ich-Botschaften sind zum Beispiel „Ich habe das Gefühl, dass…“, „Ich fühle mich…“, „Mir ist aufgefallen, dass…“.

Die Komplexität der Kommunikation in Teambeziehungen

Kommunikation ist nie einfach. Wie in den oben beschriebenen Kommunikationsmodellen auffällt, ist Kommunikation nicht nur der gesagte Satz. Wie ein Satz beim Gegenüber ankommt hängt von zahlreichen, verschiedenen Faktoren ab und Missverständnisse sind nie ausgeschlossen. Trotzdem lassen sie sich mit unseren Tipps zumindest reduzieren. Auf diese Weise können Teams effizienter arbeiten, Zeit sparen und vor allem auch mehr Freude an der Zusammenarbeit haben.

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💁 Unser Fazit:

Eine effektive Teamkommunikation ist entscheidend für den Erfolg und das Wohlbefinden eines Teams, vor allem in einem agilen Kontext. Die Umstellung auf Home-Office und Remote-Arbeit hat die Bedeutung einer starken Kommunikationskultur noch verstärkt. Durch das Verständnis verschiedener Teamkulturen und die Anwendung etablierter Kommunikationsmodelle können Teams ihre Effizienz und Dynamik verbessern. Strategien wie die Klärung des "Warum", hierarchieübergreifende Zusammenarbeit und die Etablierung einer vorbildlichen Kommunikationskultur durch Führungskräfte sind dabei zentral. Mitarbeiter müssen befähigt werden, passende Objectives und Key Results zu formulieren und zu verfolgen, wobei eine gute Formulierung und regelmäßige Überprüfung der OKR-Sets für den Erfolg unerlässlich sind. Die digitale Dokumentation und eine starke Feedbackkultur ergänzen die Optimierung der Kommunikation im Team. Die regelmäßige Reflexion, transparente Arbeitsweise, Vertrauensbildung, klare Verantwortlichkeiten, sowie der Umgang mit Kritik und Lob tragen wesentlich dazu bei, eine effektive Kommunikationskultur zu schaffen und zu erhalten.

👆 FAQ - Häufig gestellte Fragen

✍️ Über den Autor

Michel Abé

Geschäftsführer bei den Agile Heroes

Michel ist neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer bei den Agile Heroes auch noch als Consultant bei seinen Kunden und setzt spannende agile Projekte um.

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