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ð Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:
- Systemisches Coaching betrachtet VerÀnderungen in einem Teil des Systems als Auswirkungen auf das gesamte System.
- FÃŒnf Grundprinzipien des systemischen Coachings umfassen Ganzheitlichkeit, Wechselwirkungen und Selbstorganisation.
- Agiles Coaching hat oft systemische Elemente und betrachtet Teams, Organisationen und ihr Umfeld.
- Ein systemisches VerstÀndnis hilft Agile Coaches, Teamdynamiken zu verstehen, WiderstÀnde aufzudecken, Ressourcen zu nutzen und klare Ziele zu setzen.

Willkommen in der Welt des systemischen Coachings: Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und warum ist systemisches Coaching gerade im Kontext von agilem Arbeiten so wertvoll? Ist agiles Coaching auch systemisch? Und muss ich als Scrum Master, der zumindest in SAFe 6 â zu Recht! â auch als Team-Coach gesehen wird, Ahnung von Systemtheorie haben? Fragen ÃŒber Fragen, die ich in diesem Artikel beantworten möchte.
Die heutige systemische Beratung â als Oberbegriff fÃŒr systemische Organisationsberatung, Coaching und Therapie â ist unter anderem aus der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann, der Kybernetik, der Psychotherapie, aber auch aus Spiel- und Chaostheorie sowie den Informations- und Kommunikationswissenschaften hervorgegangen.
Weder gibt es die eine zentrale GrÌnderfigur, noch lÀsst sich die Geschichte der systemischen Theorie und Praxis mal eben so nebenbei erzÀhlen. Viele kluge Köpfe, geistige Strömungen und methodische Entwicklungen haben sie geprÀgt.

"Niemand ist eine Insel"
In den 1940er Jahren ging der Anthropologe Gregory Bateson davon aus, dass VerÀnderungen nicht Sache einer einzelnen Person oder eines einzelnen Faktors sind, sondern dass immer das jeweilige soziale System betrachtet werden muss. Dieses System kann die Familie oder der Freundeskreis sein, jedoch auch das Team, die Abteilung oder das gesamte Unternehmen.
Der Mensch sollte also in Wechselwirkung zu seinem Umfeld, seinen Beziehungen, seinen Kontexten gesehen werden und nicht isoliert. âNiemand ist eine Inselâ: Diese Erkenntnis hatte bereits der englische Dichter John Donne im 17. Jahrhundert. Luhmann, Bateson und Kollegen waren also lange nicht die ersten âSystemikerâ.
Systemisches Coaching: die Sache mit den Steinen
Die zentrale Idee ist, dass VerÀnderungen in einem Teil des Systems Auswirkungen auf das gesamte System haben können.
Wenn es bei meinen Coachees um die Frage nach der eigenen VerÀnderung und der der anderen geht, bringe ich gerne das Bild von einem groÃen Haufen Kieselsteine an: Stell dir vor, du bist einer davon. Nun bewegst du dich. Die anderen, zumindest zu einem sehr groÃen Teil, bewegen sich mit. Ob sie wollen oder nicht ⊠Dies gilt auch ÃŒbergeordnet, nicht nur fÃŒr Personen, sondern auch fÃŒr Gruppen oder Organisationen.
Wenn ein Coaching-Ansatz als systemisch bezeichnet wird, dann bedeutet das normalerweise, dass der Coach den Klienten dabei unterstÃŒtzt, seinen Platz innerhalb des gröÃeren z.B. Unternehmens- oder Familiensystems zu verstehen. Es wird auÃerdem bedacht, wie seine Aktionen oder Entscheidungen das System beeinflussen und von ihm beeinflusst werden.
SelbstverstÀndlich gibt es auch AnsÀtze, Methoden und Ziele in Coaching und Consulting, die sich nicht unbedingt mit den komplexen Verflechtungen des gesamten Systems befassen.
FÃŒnf Grundprinzipien des systemischen Coachings

- Ganzheitlichkeit: Der gesamte Kontext des Coachees steht im Fokus â nicht nur das aktuelle Problem oder zentrale Anliegen.
- Wechselwirkungen: Jedes Verhalten hat Auswirkungen auf andere Teile des Systems â und umgekehrt.
- Ressourcenorientierung: Es geht darum, vorhandene StÀrken zu identifizieren und Potenziale zu nutzen, statt Defizite âwegzucoachenâ.
- Lösungsfokussierung: Die Vergangenheit kann nicht verÀndert werden, doch es gilt, die Zukunft zu gestalten. Deshalb richtet (systemisches) Coaching den Blick nach vorne.
- Selbstorganisation: Das Konzept der Autopoiesis â so der lateinische Begriff fÃŒr Selbstorganisation â besagt, dass lebendige Systeme selbstreflexiv sind, also ihre Struktur selbst erzeugen und eigenstÀndig erhalten. Voraussetzung hierfÃŒr ist nicht nur die in der agilen Welt sehr geschÀtzte FÀhigkeit, sich an den von auÃen kommenden VerÀnderungsdruck anzupassen, sondern ebenfalls die FÀhigkeit zur StabilitÀt. Ein ausgewogenes VerhÀltnis zwischen StabilitÀt und VerÀnderungsbereitschaft ist nicht nur in der systemischen Theorie, sondern auch im echten Leben fÃŒr Menschen wie Organisationen sehr wichtig. Einem systemisch ausgebildeten Coach ist dies bewusst.
Bereits jetzt ist dir vermutlich klar, dass ArbeitsauftrÀge, bei denen irgendjemand entgegen seinen eigenen Absichten irgendwohin gecoacht werden soll, zum Scheitern verurteilt sind und deshalb von einem seriösen Coach auch nicht angenommen werden sollten.
Systemisches Coaching in der agilen Arbeitspraxis
Sicherlich konntest du dir die Frage, ob agiles Coaching systemisch ist, inzwischen bereits selbst mit âjaâ beantworten: Agiles Coaching hat oft einen systemischen Charakter.
Denn agile Coaches betrachten nicht nur einzelne Individuen, sondern auch das gesamte Team, die Firma oder den Konzern und das darÃŒberhinausgehende Umfeld wie den Markt oder die Konkurrenz.
Sie erkennen Muster, Beziehungen und Dynamiken und arbeiten daran, auf diese im Sinne eines wachsenden agilen Reifegrades positiv einzuwirken.
Zum Beispiel durch:
- Teamdynamiken verstehen: In agilen Teams sind die zwischenmenschlichen Beziehungen entscheidend. Ein systemisch ausgebildeter Coach kann helfen, diese Dynamiken zu erkennen und positiv zu beeinflussen.
- WiderstÀnde aufdecken: Widerstand gegen VerÀnderung ist menschlich. Systemisches VerstÀndnis hilft, WiderstÀnde zu erkennen, zu bearbeiten und zu lösen.
- Ressourcen nutzen: Ein agiles Team hat viele Ressourcen - sei es Wissen, Erfahrung oder FÀhigkeiten. Ein Coach kann helfen, diese Ressourcen optimal zu nutzen.
- Ziele klar definieren: FÌr welches Problem soll AgilitÀt die Lösung sein? Wo soll die Reise hingehen? Ein Agile Coach braucht systemisches VerstÀndnis, um das Team dabei zu unterstÌtzen, seine Vision und seine Ziele zu klÀren.
Folgende Systeme spielen in der AgilitÀt eine Rolle
Das Team: Das Entwicklungsteam, der Product Owner und alle, die direkt an der Produktentwicklung beteiligt sind. NatÃŒrlich sind auch der Scrum Master oder der Agile Coach Teil des Systems â hier greift die Kybernetik zweiter Ordnung, die danach fragt, wie sich Systeme durch Beobachter oder ins System eingreifende Handlungen wie Coaching und Beratung verÀndern.
Die Organisation: Die Abteilungen, Hierarchien und Strukturen, in denen das Team operiert.
Die Stakeholder: Kunden, Anwender, Manager und alle, die ein Interesse am Produkt oder am Prozess haben.
Die Tools und Prozesse: Die Werkzeuge und Methoden, die das Team verwendet, einschlieÃlich des gewÀhlten agilen Frameworks (z.B. Scrum, SAFe oder Kanban).
Das gröÃere System: Dies kann die gesamte Branche, den Markt oder sogar die gesellschaftlichen oder politischen Trends umfassen, die die Wertschöpfung beeinflussen.
Muss ein Scrum Master systemisch denken können bzw. Ahnung von der Systemtheorie haben?
Es ist nicht zwingend notwendig, dass ein Scrum Master formal in Systemtheorie ausgebildet ist. Dennoch ist es sehr vorteilhaft, wenn er oder sie systemisch denken kann. Das Erkennen von Mustern, das Verstehen der Wechselwirkungen im Team und in der Organisation sowie das Betrachten von Problemen aus einer holistischen Perspektive können dazu beitragen, effektiver zu coachen und Blockaden zu identifizieren und zu beseitigen.âš
Wie kann ich als Scrum Master oder Agile Coach systemisches Denken ins Team bringen?
Mindset ist auch hier das A und O â so kannst du den systemischen Gedanken in deinen Teams fördern:
Reflexion ermöglichen: RegelmÀÃige Retrospektiven tragen dazu bei, das Team anzuregen, ÃŒber seine Arbeitsweisen sowie zu beobachtendes Verhalten nachzudenken und Probleme auf Systemebene zu identifizieren.
Fragen stellen: Im Unterschied zur Berater-Rolle, in der ein Berater genau sagt, was zu tun ist und wie die Dinge funktionieren, gibt ein Team-Coach in seiner Rolle keine Lösungen vor â bestenfalls Impulse. Sondern er stellt kluge Fragen, die dazu anregen, ÃŒber die ZusammenhÀnge und Wechselwirkungen nachzudenken.
Visualisierung nutzen: Tools wie Systemdiagramme oder Ursache-Wirkungs-Diagramme können helfen, komplexe Beziehungen darzustellen.
Muster aufzeigen: Wiederkehrende Probleme oder Verhaltensweisen sind ein Hinweis auf Muster. Viele Muster laufen unbewusst ab ¬â Stichwort âblinder Fleckâ â und schwÀchen die Organisation. Ein Agile Coach mit systemischem Wissen bemerkt diese Muster, spricht sie an und hilft dabei, ihre Auswirkung auf das gesamte System zu ÃŒberprÃŒfen und ggf. zu korrigieren.
FÃŒr diese Aufgabe eignen sich externe Agile Coaches hÀufig besser als interne, die das System bereits verinnerlicht haben. Frei nach Helm Stierlin, einem der Pioniere der systemischen Therapie: âEs kommt immer darauf an, den Menschen im System und das System im Menschen zu sehen.â
Weiterbildung: Workshops oder Schulungen zum Thema Systemdenken können dem Team helfen, die systemische Perspektive tiefer zu verstehen und besser zu integrieren.
Fazit: Was ist systemisches Coaching? Und wie kann es agiles Arbeiten unterstÃŒtzen?
Agiles Coaching und Scrum-Mastership haben definitiv systemische Aspekte. Menschen, die nicht nur im System, sondern auch am System arbeiten wollen und können, sind fÌr eine gelingende agile Transformation unabdingbar.
Wesentliche Merkmale der AgilitÀt â Inspect & Adapt, Menschen ÃŒber Methoden, die Bedeutung des Umfelds, die Wichtigkeit von Kommunikation und UnterstÃŒtzung, Selbstorganisation und mehr â finden sich im systemischen Denken.
Systemisches Coaching ist eine wunderbare Methode, um Menschen und Teams in ihrer Entwicklung professionell zu begleiten. FÌr agiles Arbeiten sehe ich es als tragende SÀule an.
ð Unser Fazit:
Systemisches Coaching spielt eine entscheidende Rolle im agilen Arbeitskontext und basiert auf der Idee, dass VerÀnderungen in einem Teil des Systems Auswirkungen auf das gesamte System haben. Dieser Ansatz beruht auf fÌnf Grundprinzipien, darunter Ganzheitlichkeit und Selbstorganisation. In der Geschichte der systemischen Theorie haben verschiedene EinflÌsse und Entwicklungen dazu beigetragen. Agiles Coaching hat oft systemische Elemente und betrachtet nicht nur Individuen, sondern auch Teams, Organisationen und ihr Umfeld. Ein systemisches VerstÀndnis kann Agile Coaches dabei unterstÌtzen, Teamdynamiken zu verstehen, WiderstÀnde aufzudecken, Ressourcen zu nutzen und klare Ziele zu definieren.










