Magazine

Der PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf

9 Min. Lesezeit

👉 Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

PRINCE2 ist die wohl bekannteste Methode des klassischen Projektmanagements. Doch wieso ist sie ĂŒberhaupt so erfolgreich? Und wie lĂ€uft ein klassisches Projekt mit PRINCE2 eigentlich ab? In diesem Artikel gehen wir genauer auf den PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf ein und erklĂ€ren dir ganz genau, wie er funktioniert. Damit auch du ihn gegebenenfalls fĂŒr dein eigenes Projekt anwenden kannst. Viel Spaß beim Lesen!

PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf: Die 6 Dimensionen

PRINCE2-projektsteuerungskreislauf

Ein wichtiger Grundsatz, auf dem die PRINCE2-Methodik aufbaut, ist der Projektsteuerungskreislauf. Hierbei geht es kurz gesagt um die Planung, Delegation, Überwachung und Steuerung der einzelnen Aspekte eines Projekts. Dieser Kreislauf findet in allen Dimensionen von PRINCE2 statt, welche im Schaubild innerhalb des Kreislaufes als Dreieck mit drei Kreisen abgebildet sind. Der Projektsteuerungskreislauf stellt die Ablaufbeschreibung fĂŒr das erfolgreiche Management der folgenden sechs Projektdimensionen dar. Die sechs Dimensionen innerhalb von PRINCE2 sind:

Dimension 1: Zeit

Wie viel Zeit das Projekt benötigt. Wann das Projekt beginnt, wann es (planmĂ€ĂŸig) enden soll. Wann welche Phase beginnt, wann welches Produkt erstellt wird: All das sind zeitbezogene Aspekte, die der Projektmanager unbedingt mit hoher Aufmerksamkeit managen sollte. Gerade bei großen, bekannten und/oder prestigetrĂ€chtigen Projekten ist die Zeit neben dem monetĂ€ren Aspekt der öffentliche AufhĂ€nger schlechthin. Aber auch Unternehmen kĂ€mpfen in ihren Or- ganisationen hĂ€ufig mit teilweise extrem verspĂ€teten Projekten. Woher kommt das? Liegt das an mangelnder Management-Kompetenz? Oder sind die hiesigen Projektmanager einfach nur nicht in der Lage, valide ZeitplĂ€ne vorzulegen? PRINCE2 gibt hierfĂŒr einige Tools mit an die Hand, welche zur einer bedarfsge- rechten zeitlichen Planung, Delegation, Überwachung und Steuerung des Projekts massiv beitragen.

Dimension 2: Kosten

Neben dem gerade angesprochenen Zeitaspekt ist die Kostendimension die mit Abstand essentiellste. Schließlich steht und fĂ€llt alles damit, dass es innerhalb eines Projekts einen Geldgeber gibt, der ein naturgemĂ€ĂŸ hohes Interesse an der ProjektdurchfĂŒhrung und schließlich dem Projekterfolg hat. Der Geldgeber alleine hat die „Macht“, das gesamte Projekt einzustellen. Wie also sollte der Projektmanager hinsichtlich dieser essentiellen Stakeholder-Attention agieren? Nach der PRINCE2-Terminologie nimmt der Projektmanager hier eine Art Vermitt- lerrolle ein, der die Interessen der Stakeholder wie zum Beispiel dem Auftraggeber mit denen der Lieferanten zueinander bringt.

Dimension 3: QualitÀt

Umgangssprachlich wird „QualitĂ€t“ per se als absolut positiv gewertet. Man spricht davon, dass das „Auto QualitĂ€t hat“. Anders ausgedrĂŒckt sagt man also, dass das Auto „Eigenschaften“ hat. Denn genau so ist QualitĂ€t zu sehen. Und zwar als Eigenschaften, die von dem Projekt umgesetzt werden sollen. Ob die Eigenschaften, also die QualitĂ€t, „gut“ oder „schlecht“ sind, vermag der Kunde bzw. der Auftraggeber beurteilen. Der Projektmanager hat nicht das Recht, dies zu beurteilen. Aber er hat jedoch die Pflicht, dies mit gegebenen Ressourcen so gut es möglich ist umzusetzen. SpĂ€testens hier sollte einem die „magische“ Verbindung von Zeit, Kosten und QualitĂ€t bewusst werden. Diese drei stehen in stĂ€ndiger AbhĂ€ngigkeit voneinander.

Möchten wir bei unseren Olympischen Spielen die HĂ€user der Olympioniken in einer hochwertigen oder einer mittelmĂ€ĂŸigen Ausstattung? Je nachdem verĂ€ndert sich natĂŒrlich der monetĂ€re Aspekt, da bei der hoch- wertigen Ausstattung ausschließlich Marmorfußboden verlegt werden soll, welcher deutlich teurer ist als der Teppichboden der mittleren Ausstattung. Hierbei fĂ€llt natĂŒrlich ins Auge, dass Marmor eine deutlich lĂ€ngere Lieferzeit hat als Teppich. Das Projekt wĂŒrde sich also neben einer Kostenerhöhung auch noch massiv verspĂ€ten. Nun liegt es am Projektmanager, in Anbetracht der Anforderungen der Stakeholder den besten Weg fĂŒr das Projekt zu finden. Das bedeutet keinesfalls, dass er hierbei persönliche Anforderungen berĂŒcksichtigt. Vielmehr muss er die von den Stakeholdern geforderten QualitĂ€tsaspekte so gut es geht berĂŒck- sichtigen oder eben, bei Nichteinhaltung dieser, die Problematik den Stakeholdern so frĂŒh als möglich melden.

Dimension 4: Risiko

Wie baut man innerhalb des Projektes ein geeignetes Risikomanagementsystem auf? Mit der Frage beschĂ€ftigten wir uns im Folgenden beim Thema „Risiko“. Als Dimension bringt „Risiko“ zum Ausdruck, dass es sich um eine tĂ€glich zu erfĂŒllende Aufgabe des Projektmanagers handelt. SelbstverstĂ€ndlich ist hierbei, dass es so hochspezifische Risiken zu beachten gilt, die weit ĂŒber die Kompetenz eines – egal wie guten – Projektmanagers hinausgehen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, bedenkt man doch, dass die PRINCE2-Terminologie hierfĂŒr eigene Teilprojektleiter, oder wie in PRINCE2 beschrieben, Teammanager gibt, die durch ihr fachliches Know-how hervorstechen. Diese und deren Teammitglieder mĂŒs- sen in die Pflicht genommen werden, eine Gesamt-Risikostrategie fĂŒr das Projekt mitzuentwickeln und vor allem Einzelrisiken auf den unterschiedlichen Ebenen zu identifizieren und unter gewissen UmstĂ€nden dem Projektmanager zu mel- den. Dieser wiederum ist dann in der Pflicht, die Risiken zu delegieren, zu ĂŒberwachen und zu steuern.

Dimension 5: Umfang

Hierbei handelt es sich um den schnell verwechselten Artgenossen von „QualitĂ€t“. Oft wird innerhalb von Projekten die Diskussion gefĂŒhrt, ob Aufgabe X „inscope“ oder „not inscope“ ist; also im Umfang oder nicht im Umfang des Projekts. Diese Diskussion ist absolut wichtig und gerechtfertigt. Jedoch muss sie richtig gefĂŒhrt werden. In der Praxis reden Leute meist von den vom Projekt zu liefernde Eigenschaften. Bei unserer Olympiade zum Beispiel von „Marmor- oder Teppichboden“. Wie aber bereits in der Dimension „QualitĂ€t“ gut erlĂ€utert wurde, handelt es sich hierbei um Eigenschaften, also dem Zustand des Produktes, also um QualitĂ€t, nicht um – wie so oft fĂ€lschlicherweise verwendet – Scope/Umfang. Der Umfang beschĂ€ftigt sich – plastisch gesagt – mit der Anzahl der Marmorplatten, die benötigt werden.

Dimension 6: Nutzen

Als Nutzen wird der erwartete Mehrwert des Projekts bezeichnet. Der Nutzen kann in seiner Art und GĂŒte durchaus unterschiedlich ausfallen. So gibt es den monetĂ€ren Nutzen: Wenn ich X entwickle, erwarte ich Y an Return on Investment. Hier ist der Blick allein auf den finanziellen Aspekt des Projekts. DarĂŒber hinaus gibt es allerdings auch nichtmonetĂ€ren Nutzen. So kann die Olympiade neben ihrem finanziell durchaus positiven Effekt vor allem auch Prestige fĂŒr London mit sich bringen. Hieraus können sich neue Touristen erschließen, die nach der Olympiade den Urlaub in London verbringen wollen und damit neue Arbeits- plĂ€tze in London schaffen. Mit Verlaub, letztlich kann man beinahe alle GrĂŒnde so durchkonjungieren, dass man am Ende bei dem Faktor Euro bzw. Geldeinheit landet.

PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf: Die 4 Schritte

lade-dir-jetzt-das-kostenlose-PRINCE2-playbook-herunter

Kommen wir nun nochmal zum PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf zurĂŒck. Oder kurz gesagt zum Inbegriff von „Managen“. Aber was bedeutet eigentlich managen? Der erste Schritt im Managen eines Projekts – oder im Projektsteuerungskreislauf – ist der Schritt „Planen“, welcher natĂŒrlich im ersten Anlauf einen enormen Aufwand darstellt. Bleiben wir bei unserem Olympia-Beispiel. Die ersten Planungsmeetings des Projektteams werden durchaus sehr umfangreich und sehr unstrukturiert gelaufen sein. GleichgĂŒltig, welche Dimensionen geplant worden sind: Ob Risiko oder Zeit, ob Budget oder QualitĂ€t, es wird am Anfang in nur sehr wenigen FĂ€llen tatsĂ€chlich eine ganz konkrete Planung vorhanden sein.

Das ist aber auch nicht schlimm. Der Projektsteuerungskreislauf ist, wie es der Name schon sagt, ein wiederkehrender Mechanismus. Ein Mechanismus, der bewirkt, dass es eine kontinuierliche Planung, Delegation, Überwachung und Steuerung innerhalb eines Projekts gibt. Hierdurch entstehen nicht nur von Durchlauf zu Durchlauf eine feinkörnigere Planung, sondern auch eine höhere Lernrate. Die kontinuierliche Verbesserung wird hierdurch fortlaufend ge- pflegt. Machen wir das Ganze mal anhand eines Beispiels unserer olympischen HĂ€user klar.

Schritt 1: Planung

Hierbei wird sich der Projektmanager mit seinem Teammanager „HĂ€userbau“ und anderen wichtigen Personen in einem ersten Planungsmeeting Gedanken ĂŒber die Lage der neu zu errichteten HĂ€user gemacht haben. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass man mit der höchsten Planungsebene beginnt. Wie hier zum Beispiel die Lage. Es ist zu erwĂ€hnen, dass der Projektmanager hierbei kaum fachliches Know- how besitzen muss. Er muss den GesamtĂŒberblick ĂŒber die Projektorganisation be- wahren, das Fach Know-how zur Erstellung der Produkte bringt der Teammanager mit. Der Projektmanager sollte zum Beispiel darauf achten, dass die wichtigsten Sta- keholder wie zum Beispiel vorgeschriebene Ämter mit am Planungstisch sitzen. Nach- dem das Thema „Lage“ annĂ€hernd gut geplant worden ist, geht es um erste Maßnah- men, die operationalisiert werden sollen.

Schritt 2: Delegieren

Dies stimmt der Teammanager mit dem Projektmanager ab und nimmt das Ergebnis zur fachlichen Umsetzung mit an sein Team. Der Projektmanager hat somit den zweiten Schritt im Projektsteuerungskreislauf vollzogen: er hat delegiert. Bei der Delegation von Aufgaben ist es wichtig, dem Teammanager genĂŒgend Entscheidungstoleranzen mit auf den Weg zu geben. In der Praxis kommt es oft vor, dass der Projektmanager dem Teammanager wenig bis gar keine Entscheidungskompetenz mitgibt. Das hat zur Folge, dass der Teammanager sich wegen jeder Kleinigkeit an den Projektmanager zu wenden hat. Das hat dann nicht mehr viel mit gutem Pro- jektmanagement, sondern vielmehr mit unnötigem Mikromanagement – also dem Management von kleinsten Angelegenheiten zu tun. Hat der Teammanager die Aufgaben und Kompetenzen des Projektmanagers ĂŒbernommen, beginnt der Projektsteuerungskreislauf auf der nĂ€chsten Delegationsebene von vorne. Auf der von uns aktuell beschriebenen Ebene des Projektmanagers beginnt wĂ€hrenddessen der nĂ€chste Schritt im andauernden Projektsteuerungskreislauf: die Überwachung.

Schritt 3: Überwachung

Hierbei ist „Überwachen“ keinesfalls negativ zu bewerten. Vielmehr geht es darum, einen qualitĂ€tssichernden Mechanismus in das tĂ€gliche Projektbusi- ness einfließen zu lassen. Innerhalb des Schrittes „Überwachung“ muss im Vorhinein ĂŒber die vorherrschenden Parameter gesprochen werden. Es sollten Berichts- und Es- kalationswege und Mechanismen eingerichtet werden, um immer die richtige Infor- mation zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person oder Stelle geben zu können. Wie genau diese Überwachungstools auszusehen haben, wird ebenfalls im Thema „Fortschritt“ genauer beschrieben. Hier sind neben den richtigen Tools auch Meetings beschrieben, welche zu einer adĂ€quaten Überwachung durchgefĂŒhrt werden sollten.

Schritt 4: Steuerung

Im letzten Prozessschritt geht es darum, den in der Überwachung festgestellten Abweichungen mit Umsetzungsmaßnahmen entgegenzuwirken.

Zusammenfassung: PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf

Der PRINCE2 Projektsteuerungskreislauf besteht aus sechs Dimensionen (Zeit, Kosten, QualitĂ€t, Risiko, Umfang & Nutzen) und vier Schritten (Planung, Delegieren, Überwachung & Steuerung). Um ein Projekt erfolgreich nach der erfolgreichen Methode aus Großbritannien managen zu können, muss man sich zwingend an diese elf Aspekte halten. Sie bilden einen regulierten Kreislauf, der dem Projekt eine gewisse Sicherheit und Planbarkeit gibt.

Wenn du mehr ĂŒber PRINCE2 erfahren und möglicherweise auch deine PRINCE2 Foundation Zertifizierung erlangen möchtest, dann solltest du dir unbedingt auch unser kostenloses PRINCE2 Playbook herunterladen. Wenn du das bereits getan oder danach immer noch Fragen hast, dann möchte ich dir unseren PRINCE2 Foundation Onlinekurs ans Herz legen. Darin bereiten dich unsere erfahrenen Projektmanagement-Experten interaktiv auf die PrĂŒfung zur Zertifizierung vor.

Entdecke außerdem unsere Agile Coach Ausbildung, die deine agilen FĂ€higkeiten auf ein neues Level hebt.

💁 Unser Fazit:

👆 FAQ - HĂ€ufig gestellte Fragen

No items found.

✍ Über den Autor

Gratis Playbook

Die wichtigsten Infos zuAgile Coach kurz und knapp

Playbook erhalten